Tafel sucht fleißige Helfer: „Gemeinsames Tun führt zusammen“

01.03.22 – Gutes bewirken – Hand in Hand. Bei der Fuldaer Tafel in der Weserstraße ist genau das durch die tatkräftigen ehrenamtlichen Helfer möglich. „Gemeinsames Tun führt hier zusammen. Alle möglichen Menschen, unabhängig von Schicht, Herkunft und Lohn packen hier an, um Bedürftige zu unterstützen“, so der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Richard Hartmann gegenüber O|N.

Der 63-Jährige hat die Entwicklung der Fuldaer Tafel von Beginn an mitgestaltet. „Ich war bei der Gründung im Jahr 2003 dabei. Es sollte finanzierbar und für die Menschen gut erreichbar, aber gleichzeitig auch kein Standort wie auf dem Präsentierteller sein.“ Das Ziel des gemeinnützigen Vereins: Lebensmittel verteilen, statt sie wegzuwerfen. Denn viele Produkte seien qualitativ noch einwandfrei, ließen sich jedoch aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr verkaufen – sei es, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) in Kürze abläuft oder die Verpackung beschädigt ist. Eine große Menge Lebensmittel landet deshalb tonnenweise im Müll, ohne verdorben zu sein. Eine Verschwendung, der durch die Tafel sinnvoll entgegengewirkt werden kann. 

Ohne ehrenamtliche Unterstützung geht nichts

Fleißige Helfer packen mit an.

Nach und nach hat sich aus den Ehrenamtlichen vor Ort ein Netzwerk aufgebaut, eine kleine Familie. „Das Engagement jedes Einzelnen ist außerordentlich“, lobt Hartmann. „Es gibt viele Möglichkeiten bei uns, sich bei der Tafel einzubringen. Wer Interesse hat, kann sich die verschiedenen Bereiche einfach mal anschauen und sich ein eigenes Bild machen.“ Das Alter spiele dabei keine Rolle. „Wir sind stets auf der Suche nach Helfern und versuchen auch bei jüngeren Menschen den Blick zu erweitern – das fängt schon in der Schule an, beispielsweise durch Praktika.“ 

Einige Gesichter der Tafel hat O|N getroffen – und möchte Ihnen, liebe Leser, einen kleinen Einblick in die Tafel verschaffen.

Doris Herr: „Sind ein bunt gemischtes Team“

Doris Herr ist seit acht Jahren im Team. Die 67-Jährige arbeitet im Ausweisbüro. Hier nimmt alles seinen Lauf. „Das ist die erste Station, wo man hinkommt. Ich prüfe hier die Berechtigung der Person und erstelle die entsprechenden Tafelausweise.“ Dafür müssen unter anderem Einkommensnachweis, Wohngeldbescheid oder Bescheide vom Sozialamt kontrolliert werden. Das Ehrenamt führt sie nach wie vor gerne aus. „Ich will mich einfach sozial engagieren. Man trifft hier auf die unterschiedlichsten Charaktere, von dankbaren bis sehr hilfsbereiten Menschen.“

Helmut Bergener: „Bringt Struktur in den Alltag“

Seit 2009 ist Helmut Bergener für den Fahrdienst zuständig. Der 74-Jährige ist pensionierter Lehrer, für ihn stand mit Eintreten des Ruhestandes fest – „einfach nur zuhause herumhocken, ist keine Option“. Als die große Frage im Raum stand, was er wohl machen könne, habe ihn seine Nachbarin auf das Ehrenamt bei der Tafel hingewiesen. „Das wäre doch auch etwas für mich, dachte ich mir. Ich habe dann einfach hier angerufen, mir das Ganze angeguckt und war zunächst zwei Jahre als Beifahrer tätig. Als Not am Mann war, bin ich als Fahrer eingesprungen und habe dann die Aufgabe richtig übernommen“, erinnert sich Bergener. Seine Motivation für die Tätigkeit: „Zum einen möchte ich etwas zurückgeben. Andererseits bringt es Struktur in meinen Alltag, ich bin zweimal die Woche hier.“ Besonders der Austausch mit den Kollegen lasse die Zeit wie im Flug vergehen. „Manchmal haben wir so viel Gesprächsstoff, da reicht unsere Tour gar nicht.“

Elisabeth Zahner packt auch im hohen Alter mit an

Auf beachtliche 15 Jahre bei der Tafel kann die ehrenamtliche Helferin Elisabeth Zahner inzwischen zurückblicken. Sie gehört zu den langjährigsten Mitarbeitern. „Ich bin entsetzt, wie viel immer noch weggeworfen wird“, stellt sie fest. Die 88-Jährige kommt einmal die Woche zum Helfen. „Die Arbeit bei der Tafel ist nicht leicht, bereitet mir aber viel Freude.“ Ihr Verdienst ist es auch, dass Kollegin Christa Michallek (73) beim gemeinnützigen Verein angefangen hat. „Ich habe sie irgendwann mit ins Boot geholt.“ 

Christa Michallek: In Kontakt mit Kunden auch außerhalb der Tafel

Christa Michallek ist auch schon seit 13 Jahren mit dabei. Gemeinsam ist sie mit Zahner im Verkauf tätig. „Seit Corona packen wir das Obst und Gemüse in Tüten ein. Solange man körperlich fit ist, sollte man die Gelegenheit nutzen und Gutes tun.“ Auch sei es ein schönes Gefühl, Kunden in der Stadt zu treffen und mit ihnen zu reden. „Über viele Jahre hat man eben einige Kontakte aufgebaut.“

Barbara Thummes: „Man lernt immer wieder dazu“

Barbara Thummes leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag. „Ich bin ein knappes Jahr bei der Tafel. Ich bin aus Frankfurt hierhergezogen und kannte zunächst keinen“, so die 40-Jährige. „In Corona-Zeiten ist es erst recht schwer, Menschen kennenzulernen. Also habe ich mir überlegt, was ich Positives bewirken kann – und bin auf die Tafel gestoßen.“ Nach und nach habe sie die Region immer mehr für sich entdecken können, auch durch hilfreiche Tipps der Kollegen. Thummes ist für das Packen und Sortieren der Ware zuständig. „Der Fahrer bringt die Lebensmittel, wir müssen sie auf Qualität alle durchgucken und dementsprechend sortieren. Neben Kühlartikeln und Brot werden Obst und Gemüse separat geprüft. Wir achten generell auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, den Zustand der Ware und dokumentieren das Ganze.“ Und eins stellt Thummes noch schmunzelnd fest: „Ich bin auf neue Lebensmittel gestoßen, von denen ich vorher nie gehört habe, wie Schlangenhautfrucht oder die Japanische Aubergine – man lernt ja bekanntlich nie aus.“ (Maria Franco, O|N) +++ 

Die Mitglieder sind die Basis unseres Vereins – sie geben der Fuldaer Tafel durch ihre Beiträge eine finanzielle Grundlage.